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Start · Müssen Sie von dieser Rechnung 15 Prozent einbehalten?

Müssen Sie von dieser Rechnung 15 Prozent einbehalten?

Die Bauabzugsteuer trifft den Leistungsempfänger, nicht den Bauunternehmer. In der Nachunternehmerkette ist deshalb jede Stufe abzugspflichtig, der Generalunternehmer eingeschlossen. Und es gibt keine Bußgeldnorm dafür: Die Sanktion ist eine Haftung in Höhe des nicht abgeführten Betrags, unabhängig von Verschulden.

Gerechnet wird von der Gegenleistung, also vom Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer (§ 48 Abs. 3 EStG). Es wird nichts gespeichert.

Noch offene und erwartete weitere Bauleistungen dieses Nachunternehmers für Sie. Aktuelle Rechnung und bisherige Zahlungen nicht doppelt zählen. Leer = unbekannt; 0 = keine weiteren Beträge. Allgemeine Freigrenze: 5.000 Euro.

Maßgeblich ist das Jahr der Zahlung, nicht allein das Rechnungsdatum. Für die Freigrenze Beträge mit gültiger Freistellung nicht mitzählen. Bei § 13b gehört die Umsatzsteuer zur Gegenleistung, auch wenn sie nicht an den Nachunternehmer überwiesen wird.

Ihr Ergebnis erscheint hier.

So geht es

  1. Zahlung und Steuerbehandlung eintragenDen Nettobetrag der aktuellen Zahlung eintragen und die Umsatzsteuerbehandlung auswählen. Bei § 13b UStG schulden Sie die Umsatzsteuer selbst; sie gehört trotzdem zur Bemessungsgrundlage des Bauabzugs. Wählen Sie dafür ausdrücklich den §-13b-Fall.
  2. Jahresprognose ergänzenBisherige Zahlungen und zusätzlich noch offene oder erwartete weitere Bauleistungen dieses Nachunternehmers im laufenden Kalenderjahr eintragen, jeweils einschließlich Umsatzsteuer. Die aktuelle Rechnung zählt der Rechner selbst hinzu. Entscheidend ist das Kalenderjahr der Zahlung; Beträge mit gültiger Freistellung nicht mitzählen. Keine weiteren Beträge: ausdrücklich 0 eintragen; unbekannte Prognose: Feld leer lassen.
  3. Freistellung prüfenMaßgeblich ist die Gültigkeit am Tag der Zahlung, nicht bei Vertragsschluss. Die Bescheinigung nach § 48b EStG lässt sich elektronisch beim Bundeszentralamt für Steuern abfragen (§ 48b Abs. 6 EStG).
  4. Ergebnis übernehmenDer Einbehalt wird für Rechnung des Nachunternehmers an dessen Finanzamt abgeführt, angemeldet bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Monats der Gegenleistung (§ 48a Abs. 1 EStG).

Freigrenze, nicht Freibetrag

Beispiel: 1.000 € netto zuzüglich 190 € Umsatzsteuer sind die aktuelle Gegenleistung. Weitere 5.000 € brutto erwartet: Die Jahresprognose beträgt 6.190 €. Ohne gültige Freistellung sind von der aktuellen Rechnung 178,50 € einzubehalten; 1.011,50 € werden ausgezahlt. Der Rechner zieht nicht schon 15 Prozent von künftigen Zahlungen ab. Ändert sich die Prognose, vor der nächsten Zahlung neu prüfen; eine Nachholung für frühere Zahlungen berechnet dieses Werkzeug nicht.

Der Abzug entfällt nach § 48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 EStG, wenn die an denselben Leistungsempfänger im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich zu erbringende Gegenleistung 5.000 € nicht übersteigt. Wird die Grenze überschritten, sind 15 Prozent der GESAMTEN Gegenleistung einzubehalten und nicht nur des übersteigenden Teils. Der Satz „die ersten 5.000 Euro sind frei“ wäre damit falsch.

Die höhere Grenze von 15.000 € nach § 48 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG gilt nur, wenn der Leistungsempfänger ausschließlich steuerfreie Umsätze aus Vermietung und Verpachtung nach § 4 Nr. 12 Satz 1 UStG ausführt. Ein einziger steuerpflichtiger Umsatz daneben lässt sie auf 5.000 € fallen. Dieser Rechner arbeitet mit der allgemeinen Grenze.

§ 13b und frühere Zahlungen gesondert prüfen

Das amtliche BMF-Merkblatt zur Umsatzbesteuerung in der Bauwirtschaft erläutert den §-13b-Fall in Beispiel 11. Auf die obige Zahlung von 1.000 € netto übertragen: Mit 190 € von Ihnen geschuldeter Umsatzsteuer beträgt der Bauabzug weiterhin 178,50 €. An den Nachunternehmer gehen jetzt aber 821,50 €. Die Auswahl „keine Umsatzsteuer“ wäre hier falsch.

Wurde zunächst wegen der Freigrenze nichts einbehalten und wird sie später im Zahlungsjahr überschritten, ist der unterlassene Abzug nachzuholen (BMF-Schreiben vom 19.07.2022, Randnummern 51 und 52). Frühere gültige Freistellungen, bereits erfolgte Abzüge und die Begrenzung durch die aktuelle Gegenleistung sind gesondert zu prüfen. Der Rechner nennt nur den Abzug für die aktuelle Zahlung; bei bisherigen Zahlungen ist die Auszahlung ausdrücklich vor möglicher Nachholung angegeben.

Die Freistellungs­bescheinigung, und was an ihr tückisch ist

Der Regelfall in der Praxis ist die Bescheinigung nach § 48b EStG. Sie stellt das Finanzamt des Leistenden aus, sie trägt eine Geltungsdauer, und nach der Verwaltungsanweisung des amtlichen Merkblatts wird sie längstens für drei Jahre erteilt. Diese drei Jahre stehen nicht im Gesetz: § 48b Abs. 3 EStG verlangt nur die Angabe der Geltungsdauer.

Zwei Punkte entscheiden über die Sorgfalt. Erstens ist die Prüfung der Bescheinigung auf Lesbarkeit, Dienstsiegel und Sicherheitsnummer nach dem Merkblatt eine Pflicht, die elektronische Abfrage beim Bundeszentralamt für Steuern dagegen ausdrücklich eine Möglichkeit. Dass eine unterlassene Abfrage grobe Fahrlässigkeit begründet, steht weder im Gesetz noch im Merkblatt. Zweitens wird der Widerruf einer allgemeinen Freistellungsbescheinigung dem Leistungsempfänger nicht mitgeteilt; § 48b Abs. 4 EStG betrifft nur die auf bestimmte Bauleistungen beschränkte Bescheinigung. Deshalb gilt: vor jeder Zahlung nachsehen, nicht einmal beim Vertragsschluss.

Was passiert, wenn Sie nicht einbehalten

Die §§ 48 bis 48d EStG enthalten keine Bußgeldvorschrift. Wer einen Betrag als „Bußgeld der Bauabzugsteuer“ nennt, erfindet ihn. Die Sanktion ist die Haftung nach § 48a Abs. 3 EStG in Höhe des nicht abgeführten Abzugsbetrags, und sie greift unabhängig von Verschulden.

Dazu kommt eine Wirkung, die leicht übersehen wird: Nach § 48 Abs. 4 EStG ist § 160 Abs. 1 Satz 1 AO nicht anzuwenden, wenn der Leistungsempfänger den Abzugsbetrag angemeldet und abgeführt hat. Der Steuerabzug schützt also zusätzlich den Betriebsausgabenabzug. Umgekehrt folgt daraus kein Automatismus: § 160 AO setzt ein Benennungsverlangen der Finanzbehörde voraus und formuliert „regelmäßig nicht zu berücksichtigen“.

Quellen und amtliche Anlaufstellen

Häufige Fragen

Gilt das auch, wenn ich selbst Nachunternehmer bin?

Ja. Verpflichtet ist nach § 48 Abs. 1 Satz 1 EStG der Leistungsempfänger. Der Generalunternehmer ist gegenüber seinen eigenen Nachunternehmern Leistungsempfänger und damit selbst abzugspflichtig; in einer Kette trifft die Pflicht jede Stufe.

Was ist eine Bauleistung im Sinne des § 48 EStG?

§ 48 Abs. 1 Satz 3 EStG definiert sie als alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Wird ein Auftrag nur vermittelt, trifft die Pflicht weiterhin den Leistungsempfänger und nicht den Vermittler.

Vermieter mit zwei Wohnungen: gilt der Abzug?

Nach § 48 Abs. 1 Satz 2 EStG entfällt der Steuerabzug für Bauleistungen an Wohnungen, wenn der Leistungsempfänger nicht mehr als zwei Wohnungen vermietet. Das ist eine eigene Ausnahme neben der Freigrenze.

Wie wird angemeldet?

Elektronisch über ELSTER, seit dem 01.01.2025 verpflichtend; Papier ist nur noch der Härtefall auf Antrag. Die Anmeldung geht an das Finanzamt des Leistenden, bis zum zehnten Tag nach Ablauf des Monats, in dem die Gegenleistung erbracht wurde (§ 48a Abs. 1 EStG).

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